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Die Digitalisierung der Wirtschaft in Deutschland wird nicht nur unter dem Begriff „Industrie 4.0“ sondern auch unter „Arbeiten 4.0“ diskutiert. Besonders wichtig dabei: Welche Möglichkeiten haben Frauen in der digitalen Arbeitswelt? Und was können Unternehmen tun, um die Verbindung zwischen Beruf und Familie zu stärken?

  • Digitalisierung verändert den Arbeitsmarkt nachhaltig: während einige etablierte Berufe verschwinden, entstehen andernorts neue Berufsbilder.
  • Besonders für Frauen ergeben sich hier neue Karriereperspektiven. Diese hängen jedoch davon ab, wie gut einem Unternehmen gelingt, die Lebenswirklichkeit der Beschäftigten zu beachten.
  • Die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft aus 2016 führt vor, dass Unternehmen mit hoher Digitalisierungsreife familienfreundlicher sind. 

Die sogenannte Arbeit 4.0 legt den Schwerpunkt auf Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse im industriellen Sektor, aber auch in der gesamten Arbeitswelt. In den nächsten Jahren werden die heute schon präsenten Formen der digitalen Arbeit weiterwachsen und sich den neuen, digitalen Fortschritten anpassen. Durch die Digitalisierung entstehen viele neue Tätigkeitsfelder. Allerdings fallen auch Arbeitsplätze weg. Ergeben sich dadurch besonders für Arbeitnehmerinnen neue Karriereperspektiven? 

Die negativen Folgen der Digitalisierung 

Die Studie britischen Ökonomen Jeremy Bowles aus 2014 bestätigt das: 51 Prozent der Jobs in Deutschland könnten wegrationalisiert werden. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sieht dagegen nur 12 Prozent der deutschen Jobs gefährdet. Zentrale Erkenntnis ist aber, dass viele der bedrohten Jobs Tätigkeiten mit einem hohen Frauenanteil sind. Dazu zählen beispielsweise Büro- und Sekretariatsberufe, kaufmännische und technische Betriebswirtschaft sowie Buchhaltung. Gleichzeitig entstehen jedoch neue Möglichkeiten für Frauen durch den Paradigmenwechsel in unserer Gesellschaft, die Berufe mit einem höheren Frauenanteil begünstigen könnten. 

Die Diskussion über die Digitalisierung und ihre Folgen auf den Arbeitsmarkt ist insgesamt sehr gespalten: auf der einen Seite wird von „Tsunami am Arbeitsmarkt“, auf der anderen Seite von „neuen Spielräumen“ gesprochen. Doch entscheidend ist die Frage, wie diese neuen Arbeitsumstände mit den Lebensrealitäten der Menschen vereinbar sind. 

Grenzziehung in der fluiden Arbeitswelt

Neue Möglichkeiten, wie Homeoffice oder Remote Work, worunter das Arbeiten an unterschiedlichen Orten gemeint ist, bieten, zumindest auf den ersten Blick, mehr Möglichkeiten, Familien- und Arbeitsleben besser zu vereinfachen. Trotzdem nutzen nur 11 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer diese Möglichkeit zur Arbeit, obwohl 50 Prozent den Wunsch nach Homeoffice äußern. 

Die vielen neuen Möglichkeiten für Frauen und Familien, den Beruf mit nach Hause zu nehmen, hat aber auch Nachteile. Eine strikte Trennung von Privatleben und Beruf ist nicht mehr nach alten Standards möglich. Zwar verbringen Eltern heutzutage mehr Zeit mit ihren Kindern, trotzdem nehmen die Erwerbsquoten bei Männern und Frauen weiter zu. 

Es braucht eine gute, persönliche Struktur, um die beiden Lebensbereiche voneinander abzugrenzen. Dies gilt nicht nur für die abhängig Beschäftigten, sondern auch für die Unternehmen selbst. Es müssen Grenzziehungsstrategien von beiden Seiten ausgearbeitet werden, um bei den fluiden Arbeitsstrukturen auch die Arbeitsschutzgesetzte einzuhalten und sich den nötigen persönlichen Freiraum zu schaffen.  

Dazu passt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln aus 2016. Hier haben die Forscher untersucht, ob Unternehmen mit hoher Digitalisierungsreife sich eher durch Familienfreundlichkeit auszeichnen also weniger digitalisierte Unternehmen. Das Ergebnis: Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad achten deutlich mehr auf Bedürfnisse von Familien und engagieren sich stark für die Weiterentwicklung familienfreundlicher Arbeitsmodelle. Die Forscher gelangen bei ihren Analysen zudem zur Erkenntnis, dass die Zufriedenheit mit der Familienfreundlichkeit des Unternehmens steigt, wenn den Beschäftigten die Möglichkeit angeboten wird, gelegentlich außerhalb des Betriebs zu arbeiten.   

Autor und mit freundlicher Genehmigung: Lars-Thorsten Sudmann