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Die Zeit des schneller, höher, weiter geht auch für Unternehmen zu Ende. Wirtschaftliches Wachstum wird zukünftig weniger in Euro gemessen und mehr in Lebens- und Umweltqualität.   

  • Rein quantitatives Wachstum galt lange Zeit als Maß aller Wirtschaftsleistungen. Das ändert sich im Rahmen der aktuellen Klima- und Umweltdiskussion. 
  • Staatliche Regulierungen, moralisierte Märkte und der Trend zur Sharing Economy werden dazu führen, dass Unternehmen künftig anders arbeiten müssen.
  • Wirtschaftliches Umdenken und der grundlegende Umbau von Wertschöpfungsketten benötigt neue Kommunikationsstrukturen in Unternehmen und darüber hinaus.   

Wachstum gleich Erfolg? 

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird die Summe der Wirtschaftsleistungen von Volkswirtschaften üblicherweise im Bruttosozialprodukt – inzwischen auch als Bruttonationaleinkommen bezeichnet – gemessen. Es misst den Geldwert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem bestimmten Zeitraum von inländischen Unternehmen hergestellt werden. Es handelt es sich um die kumulierten Einkommen von Unternehmen, Institutionen und Personen in einem Land. 

Parallel zu dieser Sichtweise wird auch der Erfolg von Unternehmen rein in Geldbeträgen gemessen. Bei beiden – Volkswirtschaften und Unternehmen – gilt das Wachstum der monetären Erträge als (alleiniges) Maß des Erfolges. Einnahmerückgänge werden als Zeichen des Misserfolgs betrachtet. Dabei stehen vor allem börsennotierte Unternehmen unter dem Zwang zum kurzfristigen Erfolg. Sinkt ihr Quartalsergebnis, sinken meist auch ihre Börsenkurse. Was für das Unternehmen negative Folgen haben kann. 

Grenzen des Wachstums schon früh erkannt

Die Gleichung Wachstum gleich Erfolg wurde allerdings schon bald in Frage gestellt. Im Jahr 1972 – mitten in der wirtschaftlichen Boomphase der Nachkriegszeit – veröffentlichte der Club of Rome seinen berühmten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“. Die internationale und gemeinnützige Organisation setzte sich für die Berücksichtigung der ökologischen und sozialen Folgen klassischen Wirtschaftswachstums ein und regte zu einem nachhaltigeren Wirtschaften an. 

Wirtschaftsleistungen sollten geprüft werden, in wie weit sie natürliche Ressourcen verbrauchen oder die Rechte der am Produktionsprozess beteiligten Menschen beeinträchtigen. Um die negativen Folgen wirtschaftlichen Handelns in eine Wachstumsrechnung mit einzubeziehen, wurde in der Folge der Begriff des „Qualitativen Wachstums“ in die Diskussion gebracht. Dabei sollen Themen wie Gesundheit, Umwelt, soziale Beteiligung und Qualität der Arbeit mit in die Rechnung einfließen.  

Muss die Wirtschaftsleistung zurückgefahren werden?

Radikale Wachstumskritiker sind der Meinung, dass nur ein „Degrowth“, eine Reduktion der globalen Wirtschaftsleistung, die Lebensgrundlage unseres Planeten sichern und wiederherstellen kann. Diese Sichtweise erhält durch die aktuelle Klimadiskussion erheblichen Auftrieb. Es ist inzwischen fast allgemeiner Konsens, dass die Emissionen des „Treibhausgases“ CO2 deutlich zurückgefahren werden müssen, um das Erdklima nicht weiter zu belasten und eine „Klimakatastrophe“ mit schwerwiegenden Folgen für unseren Planeten abzuwenden. Natürlich hat diese Diskussion inzwischen ebenfalls die Wirtschaft erreicht. Auch grundsätzlich gewinnorientierte Unternehmen machen sich Gedanken, wie sie ihre Güter und Dienstleistungen mit einem kleineren „ökologischen Fußabdruck“ oder sogar klimaneutral herstellen können. 

Studie „Next Growth“ zeigt wirtschaftliche Megatrends

An diesem Punkt setzt auch die Studie „Next Growth“ des von Matthias Horx gegründeten Zukunftsinstituts an. Unter der Federführung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlers André Reichel wird untersucht, welche wirtschaftlichen Megatrends im Rahmen eines umweltfreundlicheren Wirtschaftens möglich und wahrscheinlich sind. 

Laut Reichel sollten sich Unternehmen auf drei wichtige Änderungen der Rahmenbedingungen einstellen: Erstens wird der Kampf gegen den Klimawandel dazu führen, dass klimaschädliche Wirtschaftsweisen zunehmend reguliert werden. Zweitens werden Märkte zukünftig immer stärker moralisiert, was die Absatzmöglichkeiten für umwelt- und sozialschädliche Produkte zunehmend einschränkt. Und drittens wird die „Wir-Gesellschaft“ oder „Sharing-Economy“ sich stärker durchsetzen. Dadurch wird sich der Trend weg vom schnellen Konsum günstiger Produkte hin zur Nutzung langlebigerer Güter verschieben.

Neues Wirtschaften – neue Kommunikationswege

Dass die Zukunft unter dem Motto „Qualität schlägt Quantität“ steht, ist eine der Kernthesen der Next-Growth-Studie. Nicht mehr die Unternehmen, die ihre Erträge durch größtmögliche Kostenreduktion optimieren, werden erfolgreich sein. Denn das ist zu häufig mit schweren Verletzungen sozialer und ökologischer Standards verbunden. Ein erfolgreiches Unternehmen zeichnet sich zukünftig dadurch aus, dass Lieferanten, Beschäftige und Kunden fair behandelt werden – und dass die Umwelt nicht durch übermäßige Emissionen und Ressourcenverbrauch belastet wird. 

Um dieses Ziel zu erreichen, werden Unternehmen grundlegend umdenken müssen. Dieser Prozess kann nicht Top-Down angeordnet werden, sondern setzt intensive Kommunikation in den Unternehmen und mit den relevanten Stakeholdern außerhalb voraus. Eine offene Unternehmenskultur und gute Kommunikationslösungen werden also eine elementare Voraussetzung des Wandels sein.        

Autor und mit freundlicher Genehmigung: Lars-Thorsten Sudmann