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Plattformen sind sicherlich eins der am deutlichsten wahrnehmbaren Erzeugnisse des digitalen Wandels. Was bescheiden und lange bevor wir über Digitalisierung gesprochen haben mit Amazon und Ebay begann, ist jetzt dank Uber, AirBnb und Shopify und auch dank sozialer Netzwerke wie Facebook und Instagram eine Selbstverständlichkeit — und ein Geschäftsmodell, das im Laufe der Jahre ganze Märkte völlig umgestaltet hat.

Dabei ist der Grundgedanke denkbar einfach:

Bringe (letztendlich) alle Beteiligten eines Wertschöpfungsprozesses, vom Lieferanten bis zum Endkunden, an einen Tisch.

So werden nicht nur Laufwege drastisch verkürzt, sondern auch Missverständnisse vermieden und Information fließt nicht mehr nur in eine Richtung. Aus dem Ansprechen des Kunden wird ein Dialog, aus der bloßen Dienstleistung wird eine vollständige, dauerhafte Erfahrung für den Kunden (Customer Experience).

Die Vorteile für alle Beteiligten liegen dabei auf der Hand: Kunden können bequem und ohne Umwege Dienstleistungen in Anspruch nehmen oder Produkte erwerben und haben (zumindest scheinbaren) Einfluss auf die Fortentwicklung der Geschäftsbeziehung, Lieferanten und Logistik erhalten die Möglichkeit, ohne ausgeprägte Lagerhaltung just-in-time zu arbeiten. Zwischenhändler und Produzenten wiederum können ihre Wertschöpfungsketten verkürzen und Produkte und Dienstleistungen passgenau und, dank Feedback des Kunden, auf individuelle Wünsche anpassen und erhalten überdies auch wichtige Impulse für die eigene Weiterentwicklung.

Plattformen können aber auch einschüchtern. Nur zu gern nimmt der kleine Händler die recht strengen und nicht immer fairen Konditionen der großen Plattformen in Kauf, denn dies ist offenbar die einzige Möglichkeit, nicht vom Markt zu verschwinden. Die technische Komplexität solcher Plattformen ist andererseits der größte Hemmschuh für die Adaption im Mittelstand und lässt manches Unternehmen davor zurück schrecken, selbst entsprechende Angebote für seine Geschäftspartner und Kunden zu erstellen.

Aber: Plattformen sind für alle da!

Denn was man bei all diesen riesigen Plattformen gerne aus den Augen verliert ist die Tatsache, dass sie gewachsene Strukturen darstellen, die allesamt einmal mit sehr grundlegenden (um nicht zu sagen bescheidenen) und sehr spezifischen Funktionalitäten begonnen haben. Hinzu kommt, dass es noch nie so einfach war wie heute, Plattformen miteinander zu verbinden und so bestehende große Plattformen als Datenlieferant und/oder Kommunikationskanal für die eigene Plattformstrategie zu verwenden. Niemand ist heute noch dazu gezwungen, mit seiner Plattform bei 0 zu beginnen. Auch mit geringem technischem Aufwand ist es bereits möglich, viel zu erreichen und das Fundament für die eigene Plattform zu legen.

Die eigentliche Herausforderung liegt viel mehr darin, die eigenen Mitarbeiter plattformfähig aufzustellen — auch hier ist das Zauberwort wieder digitale Beweglichkeit und der treibende Faktor, wie bei allen Digitalisierungsthemen, ein Wandel der zu Grunde liegenden Geisteshaltung jedes Einzelnen. Nur wer bereit ist, ständig dazu zu lernen, mit sich verändernden Tätigkeitsfeldern umzugehen und eine eigene digitale Kompetenz zu etablieren, wird auch von einer Plattformstrategie profitieren.

Soweit die Theorie des Ganzen. Spielen wir das Ganze doch einfach mal exemplarisch für eine typische Marketingabteilung durch, ohne hier in irgendeiner Form den goldenen Weg vorgeben zu wollen:

Social Media Marketing, SEO, Mailings und Landing Pages sind höchstwahrscheinlich Themen, mit denen sich Ihre Marketingabteilung bereits intensiv tagtäglich auseinandersetzt. Digitale Themen sind dem Marketing damit nicht neu, sondern nehmen dort schon jetzt einen zentralen Platz ein — und genau das prädestiniert das Marketing als Keimzelle für eine Plattformstrategie.

Das erste Ziel einer jeden Plattform ist es, bereits vorhandenen Fähigkeiten gezielter und mit qualitativ wesentlich höherem Output zu nutzen. Die Daten unterschiedlichster Kanäle wie Google Analytics, Facebook Insights oder KPIs ihres Kampagnenmailers können über die Plattform in übersichtlichen Dashboards und Reports zusammen geführt werden. Dies wiederum erlaubt den entsprechend geschulten Mitarbeitern, sehr gezielte Aussagen über die Wirksamkeit einzelner Werbemaßnahmen und die erreichte Klientel zu treffen. Und damit fällt es dann leicht, Daten für Mitarbeiter im Vertrieb und Business Development zu generieren, um zielgerichtet Dienstleistungen weiter zu entwickeln und Leads zu generieren. Oder auch, um im Marketing zu bleiben, sehr gezielte und individualisierte Retention-Marketing Aktionen zu starten.

Gut eingespielte Teams schaffen all dies jetzt schon in begrenztem Maße mit Excel und (mitunter recht vielen) Emails.

Was würde nun passieren, wenn man die Kommunikation zwischen Marketing, Vertrieb und Business Development noch weiter verbessern und direkter gestalten würde — zum Beispiel, in dem man die klassischen Grenzen zwischen diesen Abteilungen komplett einreißt und projektbasierte Teams zusammengestellt, die sich den spezifischen Aufgabenstellungen ganzheitlich widmen können? Durch die direktere Zusammenarbeit werden Informationsflüsse kürzer, Fehler seltener, man arbeitet mit mehr Teamgeist am Erreichen eines gemeinsamen Ziels. Eine (zugegebenermaßen noch nicht sehr digitale) Plattform entsteht, und dies sogar ohne nennenswerten zusätzlichen technischen Aufwand.

Selbigem können Sie sich widmen, wenn Sie Ihre Mitarbeiter bereits hinreichend gut platziert und zur aktiven Zusammenarbeit motiviert haben. Schrittweise können Sie jetzt die Informationsflüsse automatisieren und so zum Beispiel Analysedaten direkt in CRM-Systeme oder auf BI-Dashboards leiten. Intelligente Systeme können diese Datenströme sogar noch aufbereiten, ohne das sich am Informationsfluss selbst etwas ändern muss. Und aufsetzend auf diesen bereinigten Daten können Sie digitale Werkzeuge schaffen, um gezielte Marketing-Kampagnen zu schalten oder das Produktmanagement mit wertvollen Informationen zu versorgen.

Die Mitarbeiter im Sales & Marketing-Bereich profitieren stark von dieser Digitalisierung. Die frei werdenden Kapazitäten können genutzt werden, um beispielsweise noch häufiger und direkter mit den Kunden zu kommunizieren und Feedbackschleifen zu etablieren. Ebenso können auf dieser Basis vielleicht sogar völlig neue Märkte und Geschäftsfelder erschlossen werden. Und ist dies auf den Weg gebracht, können auch diese Bereiche wieder digital in die Plattform eingebracht werden. Wiederum werden Ressourcen frei für Neues.

Was an diesem Beispiel deutlich wird, ist die iterative Entwicklung einer Plattform, die offensichtlich einem ständigen Wachstum und damit auch ständiger Veränderung unterworfen ist. Ebenso ist es aber notwendig, dass auch die Mitarbeiter sich ständig weiter entwickeln. Tätigkeitsfelder ändern sich stetig, und mit zunehmender Digitalisierung muss auch die digitale Kompetenz (und hier vor allem die Datenkompetenz) der Mitarbeiter verbessert werden. Tatsächlich ist dies sogar der treibende Faktor einer Plattform, denn die Anwender von heute sind die Mentoren und Trainer von morgen — sie sind am besten dazu geeignet, auch Mitarbeiter anderer Abteilungen und externe Personen in die Arbeitsweise und Benutzung der Plattform einzuführen und gleichermaßen weiter zu geben, wie man sich digitale Kompetenz erarbeitet und diese ausbaut. Der Wille zur eigenen Weiterentwicklung, das Vertrauen, welches Vorgesetzte in Teams setzen , und die Fähigkeit, sich fachübergreifend und selbstständig als Team auch komplexen Herausforderungen zu stellen, sind damit die zentralen Treiber einer gut funktionierenden Plattformstrategie.

Vortrag: Mit digital beweglichen Mitarbeitern zur erfolgreichen Plattformstrategie

Schon heute ist die effektive Kommunikation im Unternehmen und mit Kunden und Partnern die zentrale Säule des Wertschöpfungsprozesses. Die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters erlauben uns dank sozialer Netzwerke und Kollaborationslösungen, durch maschinelle Auswertungen und Vorhersagen, den reinen Wert der Kommunikation immer weiter zu steigern. Das große Ziel ist dabei die Umsetzung einer Plattformstrategie, in der insbesondere auch Außenstehende in die vollständige Wertschöpfungskette des Unternehmens einbezogen werden können und diese aktiv mitgestalten.

Doch Plattformen erweisen sich dabei nicht nur in technischer Hinsicht als echte Herausforderung. Neben der technischen Aufgabe, unterschiedlichste Kommunikationssysteme und Datenquellen sinnvoll zusammen zu führen, stellt auch die Nutzung einer solchen Plattform und der komplexen Informationsnetze, die sie bereitstellt, falle Beteiligten vor immer größere Probleme. Durch die Tatsache, dass eine Plattform nur durch aktive Pflege und regelmäßige Interaktion ihren wahren Wert entfalten kann, ist es deshalb enorm wichtig, Wissen und Können der eigenen Belegschaft mit dem Entstehen und der Weiterentwicklung einer Plattform wachsen zu lassen. Mitarbeiter, allen voran diejenigen, die für den primären Kontakt zum Geschäftspartner zuständig sind, müssen digital beweglich werden. In diesem Vortrag sollen einige Wege und Hilfsmittel präsentiert werden, mit denen genau dies erreicht werden kann.

Hendrik Belitz ist Innovationscoach und Digitalisierungsberater, hilft mit Innovation through understanding Menschen und Organisationen dabei, digital beweglich zu werden. Als Softwaredesigner und Berater kann er 15 Jahre Erfahrung in der Entwicklung, Umsetzung und Planung komplexer kundennaher Systeme und Prozesse ins Feld führen und widmet sich seit mehreren Jahren insbesondere den Themen agiler Unternehmensorganisation, kreativer Führung und systematischer Innovation.


  Dienstag, 06.11.2018
  15:30 bis 16:00 Uhr
  Wasserturm Heiliger Weg 60, 44135 Dortmund | Karte